Marktstudie 2014: LMS im betrieblichen Einsatz

Das eLearning Journal hat sich im letzten Jahr durch 8 regionale eLearning SUMMITs in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen starken Namen gemacht. Das dadurch geschaffene Netzwerk wurde jetzt zum ersten Mal für eine Studie zum Thema „LMS im betrieblichen Einsatz“ genutzt. Im Vergleich zu vielen internationalen und nationalen Studien ist es bemerkenswert, dass sich mehr als 360 Unternehmen an dieser Studie beteiligt haben und das mit durchaus überraschenden Ergebnissen.

Die Studie wurde nicht – wie oft üblich – durch externe Callcenter/Agenturen durchgeführt. Das Redaktionsteam des eLearning Journals hat die zuständigen Verantwortlichen für das eLearning der Unternehmen identifiziert und die Befragung begleitet. Der Qualität der Zahlen hat dieses Vorgehen gut getan.

Unternehmensgrößen und Branchenvielfalt gut abgedeckt

Vertreten sind in der Studie sowohl Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern (19,8 %), als auch Unternehmen mit 501 – 1.000 Mitarbeitern (16,8 %). Die größte Gruppe stellen die Unternehmen mit 1.001 bis 10.000 Mitarbeitern (37,2 %). Unternehmen mit über 10.000 bis zu 25.000 Mitarbeitern waren zu 7,2 % vertreten und über 25.000 Mitarbeiter hatten 19 % der Unternehmen.

Auch die unterschiedlichen Branchen sind gut abgedeckt. Die befragten Unternehmen kamen aus folgenden Branchen:

  • 33,2 % - Verarbeitendes Gewerbe (einschließlich Baugewerbe)
  • 4,6 % - Ressourcen (Energieversorgung, Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei)
  • 13 % - Handel, Verkehr, Logistik (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen)
  • 16,4 % - Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
  • 5,4 % - Öffentliche Verwaltung (einschließlich Verteidigung, Sozialversicherung)
  • 6,2 % - Gesundheits- und Sozialwesen  (einschließlich Krankenhäuser, Pflegeheime, etc.)
  • 6,8 % - Information und Kommunikation (Post, Telekommunikation, Webservices, etc.)
  • 13 % - Dienstleistungen (Grundstücks- und Wohnungswesen, freiberufliche, wissenschaftliche, technische, sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Unterricht, Gastgewerbe)
  • 1,4 % - Sonstige
Der Einsatz von eLearning lohnt bei vielen Mitarbeitern besonders. Allerdings waren auch die mittelständischen Unternehmen mit rund 20 % gut vertreten.

Studienschwerpunkte

Schwerpunkt der Studie war der Einsatz von Learning Management Systemen im betrieblichen Einsatz. Daneben wurden aber auch zahlreiche Fragen nach dem Einsatz von eLearning-Szenarien und der Organisation von eLearning in den Unternehmen gestellt.

Erfahrung mit eLearning

Die befragten Unternehmen verfügen über eine sehr unterschiedliche Erfahrung mit dem Einsatz von eLearning. 7,3 % der Unternehmen sind erst seit 1 – 2 Jahren aktiv; die größte Gruppe (41,7 %) zwischen 3 – 5 Jahren.  31,6 % setzen eLearning schon seit 6 – 10 Jahren ein. Über Erfahrungen von mehr als 10 Jahren verfügen 19,4 % der Unternehmen.

259 Unternehmen machten Angaben über die Anzahl an Mitarbeitern, die eLearning-Szenarien absolvierten. In 19,3 % der Unternehmen war die erreichte Zielgruppe bis zu 100 Mitarbeiter. Bei 34% der Unternehmen wurden zwischen 101 und 1.000 Mitarbeiter erreicht. Zwischen 1.001 und 5.000 Mitarbeiter erreichten 20,5 % und zwischen 5.001 und 10.000 Mitarbeiter wurden bei 10,4 % der Unternehmen angegeben. Über 10.000 Mitarbeiter waren bei 15.8 % der Unternehmen angesprochen.

Mit 80,6 % haben die meisten Unternehmen ihre eLearning-Erfahrung in den letzten 10 Jahren gemacht.

Einsatz von eLearning-Szenarien heute

Nicht erstaunlich ist es, dass die meisten Unternehmen Web Based Trainings (WBT - mehr als 58 % setzen dies oft oder immer ein) und Blended Learning-Szenarien (46,1 % immer oder oft) einsetzen. Erstaunlich niedrig ist aber der Einsatz von Virtuellen Klassenräumen bzw. Webinaren. Diese werden von 55 % der befragten Unternehmen selten oder nie eingesetzt. Wenn man bedenkt, dass hier in erster Linie Unternehmen befragt wurden, die schon Erfahrungen mit eLearning gemacht haben, verwundert dies noch mehr. Die Bedeutung von virtuellen Klassenräumen ist im deutschsprachigen Raum nicht annähernd so groß wie im angloamerikanischen Raum.

Auch die aktuellen Modethemen, wie Micro Learning (77,7 % benutzen es selten oder nie), Social Learning (75,9 % selten oder nie), Game Based Learning (88,8 % selten oder nie) und MOOC’s (Massive Open Online Course – 95,9 % selten oder nie) werden zwar ausführlich in Fachkreisen besprochen, haben aber noch keine große Bedeutung für die Praxis erreicht.

Natürlich gibt es hier signifikante Unterschiede bei den Unternehmensgrößen. Der Mittelstand im deutschsprachigen Raum befindet sich oft erst in den Anfängen, ein erstes LMS wurde eingeführt und die ersten WBT’s wurden ausgerollt. Demgegenüber verfügen viele größere Unternehmen schon über viel Erfahrung im eLearning. Hier werden Systeme und Methoden aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen optimiert. Neue Learning Management Systeme werden eingeführt und zum Teil werden auch neue Methoden ausprobiert. Allerdings ist die momentane Bedeutung der Modethemen (Social Media, Mobile Learning, Micro Learning, MOOC’s) in den größeren Unternehmen auch nicht überragend.

Vertrieb ist die häufigste Zielgruppe

Fast 90 % der befragten Unternehmen setzen eLearning für den Vertrieb ein, mehr als 58 % sogar oft oder immer. Über 87 % nutzen eLearning für Azubis/Schüler oder Studenten (51,3 % oft oder immer). Demgegenüber ist der Einsatz von eLearning in der Produktion sehr niedrig, 64 % setzen dort selten oder nie eLearning ein. Auch für Geschäftspartner (Kunden oder Lieferanten) wird eLearning bei 60,7 % der befragten Unternehmen selten oder nie genutzt.

Die Verwaltung (68,7 % gelegentlich, oft oder immer), der Kundendienst (55,5 % gelegentlich, oft oder immer) und der Aftersales (54,4 % gelegentlich, oft oder immer) liegen als Zielgruppe im Mittelfeld.

Gründe dafür liegen auf der einen Seite in der Verfügbarkeit von Endgeräten, die beim Vertrieb im Gegensatz zur Produktion selbstverständlich sind. Auf der anderen Seite spielt auch die Affinität der Zielgruppe für moderne Lerntechnologien hier eine entscheidende Rolle.

Erstaunlich ist die geringe Nutzung von eLearning für Kunden und Lieferanten. Während einige Unternehmen, wie Viessmann und Coty Prestige, hier sehr erfolgreich sind, halten sich viele Unternehmen hier noch zurück. Viessmann hat mit der Viessmann Akademie App eine sehr sehenswerte Lösung für seine Vertriebspartner und Kunden zur Verfügung gestellt. Coty Prestige setzt eine Online-Duftakademie für seine Vertriebspartner ein, die in herausragender Weise auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten ist. Beide Lösungen wurden auf den eLearning SUMMITs als „Best-Practice-Beispiele“ im letzten Jahr vorgestellt.

Mit Blended Learning und WBTs kommen zwei eLearning-Klassiker noch immer am häufigsten zum Einsatz.

Produktschulungen und Compliance als Kernthemen

68 % der befragten Unternehmen setzen eLearning für Produktschulungen ein. Dieser Trend war schon länger zu beobachten und ist nicht verwunderlich. Produkte verändern sich immer schneller und die Hauptzielgruppe für dieses Thema, der Vertrieb, ist – auch in mittelständischen Unternehmen - weltweit aufgestellt. Produktschulungen werden naturgemäß für jedes Unternehmen individuell erstellt und sie bilden daher weiterhin das größte Marktpotenzial für individuelle Content-Ersteller. Nur wenige Unternehmen leisten sich eine In-House Inhaltserstellung.

Das zweite große Thema für eLearning in den Unternehmen sind Compliance Schulungen. 57,3 % der Unternehmen setzen eLearning in diesem Bereich ein. Viele zusätzliche gesetzliche Anforderungen, besonders im Banken- und Versicherungssektor, unterstützen diesen Trend. Im Gegensatz zu den Produktschulungen ist der größte Teil der Compliance-Schulungen nicht oder nur wenig an das Unternehmen angepasst. Im internationalen und im nationalen Bereich gibt es hier ein reichhaltiges Angebot an Standard-Lösungen für die einzelnen Themen.

Das Thema IT wird beim eLearning ebenfalls sehr stark berücksichtigt. Größtenteils werden Standardschulungen in der IT, wie z. B. Microsoft Office oder SAP, durchgeführt. Zum kleineren Teil werden hier unternehmenseigene Software-Themen abgehandelt. Dieser Teil ist oft mit Prozessschulungen oder fachspezifischen Schulungen verbunden.

Auch Prozessschulungen werden sehr häufig mit eLearning umgesetzt, 56,7 % der befragten Unternehmen nutzen hier eLearning-Formate. Der Einsatz in anderen Themenbereichen, wie Führungskräfteschulungen (36,6 % der Unternehmen), Onboarding/Recruiting (22,3 %) oder für Aufstiegsqualifikationen (21,2%) ist eher gering. 

Die Zukunft von eLearning-Lernszenarien wird deutlich gemischter ausfallen. Vor allem virtuelle Klassenzimmer bzw. Live Webinare könnten WBTs und Blended Learning bald Konkurrenz machen.

Einsatz von eLearning-Szenarien in der Zukunft

Die Unternehmen wurden auch nach den Planungen für den Einsatz von eLearning befragt. WBT’s werden auch in Zukunft die dominante Rolle spielen. 46,6 % der Unternehmen gaben an, weitere WBT’s zu planen. Im Vergleich zum momentanen Einsatz von WBT’s (91,6 % setzen WBT’s selten, gelegentlich, oft oder immer ein) nimmt die Dominanz aber ab und andere eLearning-Szenarien spielen eine zunehmend größere Rolle.

Blended Learning-Szenarien planen 45,2 % der Unternehmen. Auch hier bleibt die Bedeutung groß, aber nicht mehr so wie in den letzten Jahren (87,8 % der Unternehmen haben Blended Learning-Szenarien im Einsatz).

Zunehmend werden in den befragten Unternehmen andere, zum Teil neue eLearning-Formen geplant. Webinare oder virtuelle Klassenzimmer stehen für 43 % der Unternehmen im Fokus. Im Vergleich zum momentanen Einsatz erfährt hier eine relativ bewährte eLearning-Form eine gesteigerte Bedeutung. Gerade das neue/gesteigerte Interesse von vielen mittelständischen Unternehmen führt hier zu einer Steigerung.

Video-Training (25,6 %) und Webseiten zum Selbstlernen (27,3 %), als ebenfalls schon bekannte Lernformen, werden von den Unternehmen weiter berücksichtigt. Neu hinzukommen eine verstärkte Planung des Einsatzes von Social Learning (23,7 %) und Micro Learning (17,1 %). Auch dem Workplace-Learning (16,5 %) wird eine größere Rolle in den nächsten Jahren zukommen. Als zusätzliches eLearning-Szenario benannten zahlreiche Unternehmen die Planung von Mobile Learning. Ebenfalls sprachen viele Unternehmen an, die Unterstützung am Arbeitsplatz weiter intensivieren zu wollen. Die Förderung von informellem Lernen und die Verbindung des informellen Lernens mit dem formellen Lernen ist auch ein Thema für viele Unternehmen.

Auf relativ niedrigem Niveau bleibt das Game Based Learning (17,1 % planen den Einsatz) und der Einsatz von MOOC’s (7,2 %). Gerade für den Mittelstand gibt es kaum relevante Game Based Learning-Angebote, die finanzierbar sind. Hier sind Anbieter gefragt, innovative und bezahlbare Lösungen anzubieten. MOOC’s haben im deutschsprachigen Raum noch nicht die Bedeutung, die sie im angloamerikanischen Sprachraum haben. Zu wenige Erfahrungen wurden hier gemacht, um einen breiteren Einsatz zu ermöglichen. Das eLearning Journal hat im letzten Jahr einen fünfwöchigen MOOC zum Thema „Lernen im Unternehmen“ durchgeführt und dadurch erste Erfahrungen für über 120 Unternehmensvertreter ermöglicht.

Trends im eLearning und Relevanz für das eigene Unternehmen

Befragt nach den zukünftigen eLearning-Trends nannten 84,2 % der Unternehmen Mobile Learning als sehr wichtige oder wichtige Komponente. Hier wurden in den Unternehmen schon zahlreiche Lösungen entwickelt, die anscheinend nicht leicht zu integrieren sind. An zweiter Stelle der Anforderungen steht das Tablet Computing (77,7 % der Unternehmen benannten dies als wichtig oder sehr wichtig). Die Integration von Skill- und Talent Management wurde von 74,5 % der Unternehmen als wichtiger und sehr wichtiger Trend genannt. Auch die Personal Learning Environments (PLE) wurden mit 67,4 % (wichtig und sehr wichtig)  und ein LMS als ganzheitliches Personalentwicklungssystem mit 61,8 % (wichtig und sehr wichtig) identifiziert. Ein Cloud-basiertes LMS erkannten 53,3 % als wichtigen oder sehr wichtigen Trend.

Learning Analytics, eines der Topthemen im anglo-amerikanischen Raum, wurde von 49 % der befragten Unternehmen als wichtig oder sehr wichtig eingeordnet. Nicht ganz so starke Bedarfe sahen die Unternehmen bei der Integration von MOOC’s, Game Based Learning und Serious Games.  

Interessante Ergebnisse brachte die anschließende Frage der aktuellen Relevanz dieser Trends für das eigene Unternehmen. Hier wurden Mobile Learning von 56,2 % der Unternehmen als wichtig oder sehr wichtig genannt, den zweiten Platz erreichte mit 52,3 % das Skill- und Talent Management, gefolgt vom Tablet Computing mit 45,8 % (wichtig und sehr wichtig). Auch das LMS als ganzheitliches Personalentwicklungssystem ist von 45 % der befragten Unternehmen als aktuell relevant genannt worden; Personal Learning Environments haben 40,5 % als relevanten Trend für sich beansprucht.

MOOC’s dagegen sehen viele Unternehmen nicht als relevanten Trend für sich, 78,1 % der Unternehmen bezeichneten es als weniger wichtig oder unwichtig, Auch Game Based Learning (66 % weniger wichtig oder unwichtig) und Serious Games (68 %) wecken aktuell kein großes Interesse.

Insgesamt sind vier wichtige Punkte beim zukünftigen Einsatz von eLearning bemerkenswert:

  • Die Nutzung von bewährten eLearning-Szenarien nimmt zugunsten eines breiteren Einsatzes von eLearning-Szenarien ab. Das typische WBT und die typischen Blended Learning-Szenarien (ein bisschen WBT und Seminar) werden weiter eine Bedeutung haben, allerdings kommen viele neue Lernformen hinzu.
  • Wichtig für die Unternehmen ist die Planung der verfügbaren Kompetenzen. Daher tritt der Wunsch nach einem Skill- und Talent Management und einem LMS als ganzheitliches Personalentwicklungssystem stärker auf.
  • Für den einzelnen Mitarbeiter im Unternehmen sollen die relevanten Lernelemente besser zur Verfügung gestellt werden, weniger generische Katalogfunktionen, mehr individuell angepasste Überblicke sollen dem Einzelnen das Lernen ermöglichen und erleichtern (Personal Learning Environments).
  • Momentan planen immerhin 12,7 % der befragten Unternehmen keine weiteren eLearning-Szenarien. Wie eLearning bei den Herausforderungen der Personalentwicklung unterstützen kann, bleibt also weiterhin ein relevantes Thema.


Die Rolle der IT-Abteilung im Einsatz von eLearning hat kontinuierlich abgenommen. In Unternehmen sind heutzutage vor allem eigene Akademien, die Personalabteilung oder sogar eigene eLearning-Beauftragte für das Thema verantwortlich.

Verantwortung für das eLearning im Unternehmen

In 51,8 % der befragten Unternehmen ist eine interne Unternehmensakademie oder eine Fort- und Weiterbildungsabteilung für das eLearning verantwortlich, in 38 % HR Abteilungen und bei 38,8 % gibt es eine eigene eLearning-Abteilung oder einen -Beauftragten.

All diese Nennungen unterstützen die zunehmende Verantwortung des HR-/Personalbereiches für eLearning. Die IT-Abteilungen, wo eLearning oft in den Anfängen angesiedelt war, ist nur noch bei 10 Unternehmen dafür verantwortlich.

In 26,4 % der Unternehmen hat die jeweilige Fachabteilung die Verantwortung und in 6,9 % ist ein externer Dienstleister dafür verantwortlich. Nur in 8,5 % der Fälle gibt es keine feste Verantwortung für eLearning. Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich. Die zunehmende Konzentration der eLearning-Verantwortung bei der Personal- / HR-Abteilung oder einer internen Unternehmensakademie / Weiterbildungsabteilung macht auf jeden Fall Sinn. Dadurch können eLearning-Szenarien besser im Gesamtkontext eingebettet werden. Lernen am Arbeitsplatz und informells Lernen kann mit den formellen Bestandteilen besser verbunden werden.

Einsatz von Lernmanagement Systemen in Unternehmen

73,4 % der befragten Unternehmen haben bereits mindestens ein Learning Management System im Einsatz. Die Angebote am Markt sind zahlreich und dies spiegelt sich auch in den Zahlen wieder. Insgesamt sind die kommerziellen Lösungen mit rund 58 % am stärksten vertreten, dicht gefolgt von den Open Source-LMS mit rund 36%. Deutlich an Bedeutung verloren haben Eigenentwicklungen, die bei unseren Studienteilnehmern nur zu etwa 6% im Einsatz sind.

Dabei benutzen 32,3 % der befragten Unternehmen das aktuelle Learning Management System erst seit einem Zeitraum von bis zu einem Jahr; 22,4 % mehr als 1 Jahr und bis zu 3 Jahren; 18,1 % mehr als drei und bis zu fünf Jahren. Mehr als 5 Jahre und bis zu 10 Jahren wird das aktuelle LMS in 21,6 % der Unternehmen genutzt und nur noch 5,6 % der Unternehmen nutzen das aktuelle LMS mehr als 10 Jahre.

Es gibt also viel Bewegung im Markt. Größere Unternehmen überprüfen ihre Systeme immer wieder und sind bereits in der zweiten, dritten oder vierten Überarbeitung/Integration/Ablösung. Viele mittelständische Unternehmen suchen dagegen eher noch nach einer ersten Lösung. Hier spielen eher die Open Source-Lösungen oder für den Mittelstand maßgeschneiderte kommerzielle Systeme eine Rolle. 28,4 % der befragten Unternehmen planen daher konkret die Einführung eines neuen LMS bzw. den Umstieg auf ein neues LMS.

26,6 % der befragten Unternehmen haben kein LMS implementiert. Nach Gründen dafür befragt, gaben die 93 Unternehmen sehr unterschiedliche Gründe dafür an. 27 Unternehmen (= 29 %) gaben an, dass sie keine Bedarf für eLearning sehen oder dass sie andere Lernformen bevorzugen. Bei 13 Unternehmen (14 %) ist ein LMS unmittelbar in der Planung und 11 Unternehmen (= 11,8 %) gaben  finanzielle Gründe/fehlendes Budget als Grund an. 

Die LMS-Verbreitung war unter unseren befragten Unternehmen mit 73,4 % bereits sehr hoch.

Nutzung von LMS-Funktionalitäten

Die im betrieblichen Einsatz genutzten Learning Management Systeme werden in erster Linie für die WBT-Bereitstellung/Contentplattform (87,5% der befragten Unternehmen nutzen dies immer oder oft), die Einbindung externer Kursinhalte (66,4 %), zur Lernerfolgskontrolle (65,6 %) und als Katalogfunktion (62,7 %) genutzt. Zum Teil werden darüber Blended Learning-Seminare (53,7 %) und Selbstlernmodule (51,1 %) gesteuert.

Diese Nutzung hat sich auch schon in den anderen Antworten der Studie wiedergespiegelt. WBT’s und Blended Learning spielen eine dominante Rolle. Eine Lernerfolgskontrolle, um die erfolgreiche Teilnahme an einem Modul zu dokumentieren, ist fast schon ein zwangsläufiges Resultat davon.

Relativ wenig werden die LMS Funktionen der Webseitenerstellung/Blog (78,1 % der befragten Unternehmen nutzen es selten oder nie), des Lerntagebuches (85,2 % selten oder nie) und des Skill- und Talent Management genutzt (76,1 %). Skill- und Talent Management wird in vielen Unternehmen über andere Systeme/Verfahren abgedeckt. Auch die Funktion eines integrierten Virtual Classrooms wird vergleichsweise wenig genutzt (71,1 % selten oder nie).

Zufriedenheit mit dem implementierten LMS

Zum Teil wird die geringe Nutzung an vorhandenen anderen Systemen liegen, zum Teil an (noch) nicht genutzten Funktionen. Ein Teil liegt jedoch auch bei den Anbietern der verschiedenen Lösungen. Dies wird sehr deutlich durch die Beantwortung der Frage illustriert: „Gibt es etwas, dass Sie in Ihrem LMS verbessern würden, was Ihrer Meinung nach fehlt oder sogar mangelhaft ist?“ 64,4 % der befragten Unternehmen stimmten hier zu.

Trotzdem ist die Zufriedenheit mit den implementierten Learning Management Systemen relativ hoch. Die Befragten selber waren zu 54,6 % äußerst oder sehr zufrieden, die Geschäftsleitung der Unternehmen sogar zu 62,2 %. Die Leitungen der Weiterbildungsabteilungen oder Akademien zeigten sich mit 57,8 % ebenfalls relativ zufrieden.

Bezüglich des finanziellen Aufwands für das LMS sind die befragten Unternehmen ebenfalls relativ zufrieden. Bei Fragen nach Kosten werden in Umfragen selten Angebote als günstig oder preiswert bezeichnet. Daher sind die Ergebnisse der Studie in diesem Bereich positiv zu bewerten.

83 % der befragten Unternehmen halten die Kosten für den Betrieb des LMS für günstig, preiswert oder angemessen, auch bezüglich Support (82,8%), Wartung (79,5 %) und Releasewechsel (76,1 %) herrscht eine große Zufriedenheit mit den anfallenden Kosten. Sogar der Lizenzerwerb weist mit 81 % eine hohe Zustimmung aus. Hier ist allerdings die hohe Anzahl an Open Source- Systemen zu berücksichtigen, für die keine oder kaum Lizenzkosten anfallen. Aber nur 19 % halten den Lizenzkauf von LMS für zu teuer oder teuer.

Das Thema LMS bleibt auch weiterhin relevant, denn der Bedarf am Einsatz neuer LMS ist noch nicht gedeckt.
Die Anforderungen, die an LMS gestellt werden, entwickeln sich ständig weiter. Es ist daher nicht verwunderlich, dass 64,4 % der Befragten Verbesserungspotenziale für ihr LMS sehen.

Anforderungen an das LMS der Zukunft

Das LMS der Zukunft soll den Unternehmen die Möglichkeiten bieten, ihre aktuellen Bedarfe zu erfüllen. Als Anforderungen an ein zukünftiges LMS müssen also die schon beschriebenen geplanten eLearning-Szenarien und die aktuellen Trends gesehen werden. Daraus resultierend benannten die befragten Unternehmen folgende Trends bezüglich Lern-Management Systeme. 74,7 % wünschen sich ein verstärktes Blended Learning. Die Unterstützung von Learning on the job wird von 73,8 % der Unternehmen als Trend genannt. Ein bruchlos nutzbares LMS auch auf mobilen Geräten wünschen sich 57,3 %; detailliertere Messungen des Lernerfolgs und der Berichterstattung werden von 40,2 % der Unternehmen genannt. Die Integration von Social Learning in das LMS identifizierten 35,8 %.

Besonders sticht hier die Bedeutung des arbeitsplatzbegleitenden Lernens hervor. Die unmittelbare Unterstützung des Lernens am Arbeitsplatz bietet – nicht nur aus Sicht der Unternehmen – ein enormes Potenzial für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter.

 

Die Verteilung der LMS-Funktionen zeigt, dass beim Lernmanagement besonders die Bereitstellung und Verwaltung von Inhalten die Nase vorn hat.

Erstaunlich wenige Betriebsvereinbarungen

Besonders in Deutschland und Österreich ist bei allen Personalentwicklungsmaßnahmen der Betriebsrat mit einzubeziehen. Es ist daher erstaunlich, dass nur in 44,5 % der befragten Unternehmen eine Betriebsvereinbarung bezüglich des eLearnings oder der Nutzung des LMS existiert. 46,1 % haben keine Betriebsvereinbarung und 9,4 % andere Regelungen und sonstige Vereinbarungen.

Welche Motivationsmethoden werden von den Unternehmen genutzt, um die Lerner für das eLearning und die Nutzung des LMS zu animieren? Die befragten Unternehmen konnten hier mehrere Maßnahmen nennen. Topnennung waren die Anrechnung der Arbeitszeit als Lernzeit (56,9 %) und die Zertifizierung der Teilnehmer (53,2 %).

Die Eintragung der Lerneinheiten in ein individuelles Lernportfolio wurde von 38,7 % der Unternehmen genannt. Die Auslobung von Sach-Incentives, (5,9 %), Preisausschreiben/Wettbewerb unter den Teilnehmern (9,3 %) oder sogar gehaltswirksame Bestandteile (2,2 %) spielen eine sehr untergeordnete Rolle. 10,4 % der Unternehmen haben keine Motivationsmethode im Einsatz.

Betriebsvereinbarungen können weitreichende Auswirkungen für den Einsatz von eLearning haben. Allerdings ist nur in 44,5 % der Unternehmen die Betriebsvereinbarung für das Lernen mit eLearning relevant.

Executive Summary und Trends

Erwachsenenbildung ist schon seit längerer Zeit ein Topthema, doch durch die PIACC Studie der OECD hat sich dies noch einmal verstärkt. In Deutschland werden den Erwachsenen nur durchschnittliche Ergebnisse beim Lesen, Rechnen und Problemlösen attestiert, zudem sind die Fähigkeiten sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig. Wie der betriebliche Alltag im Lernen aussieht, hat die Studie „LMS im betrieblichen Einsatz“ des eLearning Journals im Zeitraum vom Oktober bis Dezember 2013 näher untersucht. 362 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligten sich an dieser Studie mit dem Schwerpunkt eLearning.

Folgende Trends ergeben sich aus dieser Studie:

1. Es gibt ein verstärktes Interesse der Unternehmen an eLearning-Maßnahmen, besonders der Mittelstand steht in den Startlöchern.
In den großen Unternehmen gehören eLearning-Maßnahmen längst zum Alltag, auch viele mittelständische Unternehmen haben schon jahrelange Erfahrung. 61 % der befragten Unternehmen setzen eLearning seit mehr als 6 Jahren ein. Die vorhandene Skepsis ist zum großen Teil aufgehoben. Das liegt nicht alleine an der Überzeugung, dass mit eLearning vieles besser gemacht werden kann, sondern an der Notwendigkeit – auch für den Mittelstand – schnell eine global aufgestellte Zielgruppe erreichen zu können. Da sich viele kommerzielle Anbieter auf Großunternehmen konzentriert haben, gibt es zum Teil zu wenige Lösungen für den Mittelstand. Doch das ändert sich gerade.

2. WBT und Blended Learning wird ergänzt durch Mobile Learning und Tablet Computing.
Webbasierte Trainings und Blended Learning-Lösungen werden auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Doch die Trendsetter sind Mobile Learning und Tablet Computing. 84,2 % sehen Mobile Learning als sehr wichtigen oder wichtigen Trend (Tablet Computing 77,7) und 56,2 % sehen es als für ihr Unternehmen wichtiges oder sehr wichtiges Thema an (Tablet Computing 45,8 %). Virtuelle Klassenräume werden bisher noch nicht verbreitet eingesetzt, sind aber bei zahlreichen Unternehmen in der Planung (43 %). Der seit Jahren prognostizierte Trend in Game Based Learning, z. B. durch die Horizon Reports der letzten Jahre, realisiert sich nicht in den Unternehmen. Die Tendenz zur Einführung von MOOC’s (Massive open Online Class) in den Unternehmen lässt sich auch (noch?) nicht bestätigen. Die Trendstudie MMB Learning Delphi 2013 hat diesen prognostiziert. Social Learning (23,7 % der befragten Unternehmen planen hier konkret den Einsatz) und Micro Learning (17,1 %) sind neben Video-Training (25,6 %) und Webseiten zum Selbstlernen (27,3) ebenfalls im Fokus der Unternehmen.

3. LernManagementSysteme sind weit verbreitet.
73,4 % der befragten Unternehmen haben bereits ein System im Einsatz. Kommerzielle LMS haben mit 58% der Nennungen eine Überhand, aber auch die Open Source-Lösungen sind mit 36% weit verbreitet. Doch der Markt ist nicht vergeben, 24,8 % der Unternehmen planen konkret eine Ablösung/Umstellung/Neueinführung.

Cloudbasierte LMS-Lösungen werden von 53,3 % als wichtiger oder sehr wichtiger Trend gesehen, aktuell für das eigene Unternehmen schwächt sich dies allerdings auf 29,1 % ab. Während in größeren Unternehmen schon die dritte oder vierte Ablösung/Umstellung erfolgt, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, wird im Mittelstand noch oft nach kostengünstigen und pragmatischen Lösungen gesucht. Hier spielen Open Source-Systeme eine besondere Rolle, auch weil sich die kommerziellen Anbieter oft auf Großunternehmen konzentriert haben.

4. Bei den Themen steht der Vertrieb im Vordergrund, Compliance Themen stehen an zweiter Stelle.
Fast 90 % der Unternehmen setzen eLearning-Maßnahmen im Vertrieb ein, meistens in Form von Produktschulungen. Compliance Themen, die fast alle Mitarbeiter betreffen, sind der zweite Schwerpunkt. Prozessschulungen folgen mit 56,7 % an dritter Stelle. Nur selten wird eLearning in der Produktion oder für Geschäftspartner (Kunden, Lieferanten) eingesetzt.

5. Die Integration vom Lernen mit Talent Management und der Personalentwicklung steht an.
Die Verantwortung für das eLearning liegt zum größten Teil im Personalbereich, entweder direkt oder innerhalb der unternehmenseigenen Akademien oder Weiterbildungsorganisationen. In den Anfängen haben die IT- und Fachabteilungen eine viel größere Rolle gespielt. Die Integration von Skill- und Talent Management (74,5 % wichtiger oder sehr wichtiger Trend) und ein LMS als ganzheitliches Personalentwicklungssystem (61,8 %) bestätigen, dass die Unternehmen eLearning und das Lernen im Unternehmen insgesamt mehr zusammen führen wollen und auf die notwendigen Kompetenzen im Unternehmen fokussieren.

6. Individuelles Lernen soll ermöglicht werden.
67,4 % der Unternehmen benannten Personal Learning Environments (PLE) als einen wichtigen oder sehr wichtigen Trend und 40,5 % der Unternehmen sehen dort für sich konkreten Handlungsbedarf. PLE’s, die dem Lerner ein individuelles, selbst organisiertes Lernen ermöglichen und dem Lerner statt Katalogen individuell angepasste Lernangebote machen, sind im Fokus der Unternehmen angekommen. Die Notwendigkeit ist auch mehr als gegeben. Lerner in den Unternehmen sind schon lange müde, sich durch die verschiedenen Kataloge und Software-Angebote zu quälen, um an die relevanten Inhalte zu kommen oder selber Beiträge zu leisten. Auf die implementierten Lösungen darf man gespannt sein.

7. Arbeitsplatznahes Lernen und informelles Lernen sind zunehmend im Fokus.

Schon auf den letztjährigen eLearning SUMMITs war das Thema Informelles Lernen und auch das arbeitsplatznahe Lernen heiß diskutiert. Zwar planen nur 16,5 % der Unternehmen konkret Maßnahmen im Bereich Workplace Learning, aber in zahlreichen Kommentaren wurde die Wichtigkeit des arbeitsplatznahen Lernen und der Förderung des informellen Lernens zum Ausdruck gebracht. Hier gibt es kaum standardisierte Lösungen, daher sind die Unternehmen momentan selbst gefragt. Die 1. Studie „LMS im betrieblichen Einsatz“ des eLearning Journals hat sehr interessante Ergebnisse für den deutschsprachigen Markt gebracht. Viele internationale Studien berücksichtigen die Besonderheiten dieses Marktes nicht oder nicht ausreichend.

Mit über 360 Teilnehmern und der redaktionellen Begleitung der Studie hat das eLearning Journal eine hohe Qualität und Aussagekraft erreicht, die den hohen Vernetzungsgrad der Redaktion mit den Verantwortlichen in den Unternehmen erkennen lässt. Teilauswertungen der Studie (z. B. Wie setzt der Mittelstand eLearning ein? Welche Unterschiede bei Einsatz von eLearning gibt es zwischen Finanzdienstleistern und der verarbeitenden Industrie?) werden folgen.

Schon jetzt bietet die Studie wichtige Benchmarks und zeigt Trends für die Unternehmen im deutschsprachigen Raum auf.

 

Die Gretchenfrage im LMS-Bereich: Open Source oder eine kommerzielle Lösung? Kommerzielle LMS haben zwar die Nase vorn, allerdings sind Open Source-LMS mittlerweile auch gut vertreten.

DER AUTOR

Norbert Büning

Norbert Büning ist Gründer von taloon solutions. Sein Unternehmen ist auf die innovative Begleitung von Lern-, Bildungs- und Veränderungsprozessen mit dem von ihm entwickelten Lern-Exzellenz-Ansatz (LEA) für Unternehmen spezialisiert.
(www.taloonsolutions.de)

Zuvor war Norbert Büning fast zwanzig Jahre für Accenture tätig, einer der global führenden Unternehmensberatungen, zuletzt als Geschäftsführer im Bereich „Learning & Collaboration“, für den er weltweit verantwortlich zeichnet. In Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelte er Accenture dabei zu einer der führenden Personalberatungen.




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