Dem Lernen keine Grenzen gesetzt

Der MokoDesk macht’s möglich

Kategorie:
Learning Communities

Siegerprojekt:
MokoDesk

Sieger:
Heinz Nixdorf Institut der
Universität Paderborn und
Bildungsnetz Förderung Individuell e.V.

 

Kinder von Schaustellern und beruflich Reisenden, die nur selten über einen längeren Zeitraum an einem Ort verweilen, haben es nicht leicht. Ein geregelter Schulbesuch ist schlicht unmöglich. Die „Lernen auf Reisen Schule“ (LARS) des Bildungsnetzes Förderung Individuell e.V. schafft Abhilfe – und hat mit dem mobilen, kooperativ nutzbaren Desktop, kurz „MokoDesk“, ihr Lernangebot um einen wertvollen Bestandteil erweitert.

Die „Lernen auf Reisen Schule“ bietet sich häufig auf Reisen befindenden Schülerinnen und Schülern aus der Region Ostwestfalen-Lippe ein ergänzendes Schulangebot. Während der etwa zehn Monate dauernden Reisezeit werden sie in LARS von Lernbegleitern über das Internet individuell betreut. Um während der Reise jederzeit einen Zugang zu den ebenso individuell bereitgestellten Materialien sicherzustellen und die Kommunikation mit dem Betreuungslehrer zu gewährleisten, nutzen die Schüler in LARS den über einen Browser aufrufbaren, persönlichen „MokoDesk“.

Lernbedarfe

Für jedes der in LARS unterrichteten Fächer, vornehmlich die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik, wurden aufeinander aufbauende Anforderungsstufen steigender Komplexität definiert, denen die jeweiligen Inhalte zugeordnet wurden. Die auf den Unterricht in der Stammschule zugeschnittene Online-Unterstützung hilft den Schülern, den Präsenzteil erfolgreich zu besuchen. Die Lehrer stellen im Rahmen des Betreuungsprozesses immer wieder neue Aufgaben zusammen, die den aktuellen Anforderungen der Lehrpläne und der Fachdidaktik entsprechen. Das übergeordnete Ziel dabei ist, den Schülern die erforderliche Qualifikation zu vermitteln, um einen Schulabschluss zu erreichen.

Projektverlauf

Der Lernstand jedes einzelnen Schülers wird mithilfe der Online-Diagnose der Verlage Klett und Schroedel überprüft. Zusätzlich bearbeiten Schüler mit entsprechenden Vorkenntnissen die Aufgaben der Lernstandserhebung des Landes Nordrhein-Westfalen. Während der Reisezeit besuchen die Schülerinnen und Schüler die sogenannten „Stützpunktschulen“.

Angewandte Methoden

      • Blended Learning
      • Mobile Learning
      • Learning Communities
      • Virtual Classroom
      • Chats

        Nach dem Prinzip der Wochenplanarbeit werden Materialien und Aufgaben in einem „Aufgabenpaket“ an einem vereinbarten Wochentag über den MokoDesk zur Verfügung gestellt. Es kann sich dabei sowohl um Aufgaben handeln, die vorwiegend einen neuen Lerninhalt festigen sollen, als auch um Übungen, mit deren Hilfe sich der Lernende neue Inhalte selbstständig erarbeiten kann. Kompetenzen wie das Recherchieren, Argumentieren und Präsentieren sind – sofern möglich – Pflichtbestandteil der Aufgabenpakete.

        Über den MokoDesk erhält der Lehrer einen Überblick über den aktuellen Lernstand jedes Schülers und kann Materialien zur Verfügung stellen, die auf den individuellen Förderbedarf der Lernenden eingehen. Außerdem wird dem Lehrer die Möglichkeit geboten, Diskussionen mit den Schülern zu den gerade behandelten Inhalten zu führen, um ihr Verständnis zu überprüfen und ihnen bei Bedarf erklärend zur Seite zu stehen.

        Auf der anderen Seite machen die Schüler durch die Veröffentlichung der Inhalte, mit denen sie sich beschäftigen, ihren eigenen Lernfortschritt sichtbar und sorgen damit für größtmögliche Transparenz zwischen Lehrer und Schüler. Ferner sind die Schüler in der Lage, bearbeitete Aufgaben zur Bewertung an den Betreuungslehrer zu senden. Abgeschlossene Aufgaben kommen zusammen mit allen Bearbeitungen des Schülers und Lehrers in ein Archiv, wo sie zum Nachschlagen und als Erinnerungshilfe in anderen Kontexten dauerhaft zur Verfügung stehen.

        Die Fachgruppe Kontextuelle Informatik am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn stand dem BFI mit Beginn der Einführungsphase prozessbegleitend zur Seite, um die erst im Alltag sichtbar werdenden Bugs zu beseitigen sowie die Möglichkeit einer Fehlbedienung zu reduzieren.

        Projektergebnis

        Das Projekt ist auf die spezifische Betreuungssituation der „Lernen auf Reisen Schule“ angepasst. Die mobilen Schreibtische stellen einen Ansatz dar, Wissensarbeit als wesentlichen Bestandteil von Lehr- und Lernprozessen zu unterstützen. Sie verknüpfen die Handlungs- und Wahrnehmungsräume verschiedener Benutzer und ermöglichen eine langfristige Kooperation. Die Schreibtische lassen sich beliebig miteinander verknüpfen, wobei jeder Benutzer für seinen eigenen Schreibtisch festlegen kann, wer auf diesen lesend und wer schreibend zugreifen darf. Im Regelfall gibt der Schüler seinen Schreibtisch für die ihn betreuenden Lehrer frei. Außerdem wird durch Hilfen bei der Organisation der Wochenplanarbeit sowie die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten eine zunehmend selbstständige Bearbeitung der gestellten Aufgaben durch den Schüler gefördert.

        Fazit

        „Menschen brauchen Raum, um sich entfalten zu können, und sie brauchen Räume, in denen sie einzeln wie auch kooperativ Prozesse selbst gestalten und ihre Wissensarbeit erledigen können“, betont Detlef Schubert vom Bildungsnetz Förderung Individuell. Bislang konzentrierte sich die Bereitstellung solcher Räume jedoch darauf, einen lokalen Bezugspunkt für die Wissensarbeit herzustellen. „Wie die langjährigen Erfahrungen der ‚Lernen auf Reisen Schule‘ zeigen, ist ein solcher lokaler Bezug allerdings nicht mehr ausreichend, wenn es um räumlich und zeitlich disparate und nicht nur unterbrochene Lernszenarien geht“, weiß Schubert. Das Konzept der mobilen Schreibtische verlagert den Aspekt der Mobilität weg von der Zugriffsmöglichkeit auf lokale Objekte hin zu der Möglichkeit, auch im Netz gemeinsame Wahrnehmungs- und Handlungsbereiche unter Einbeziehung verschiedener virtueller Lokalitäten zu schaffen. Die mobilen Schreibtische sind dabei aber nur eine erste Umsetzungsmöglichkeit.


        Text: Alexander Moritz

         

        Vorgaben & Besonderheiten

        Vorgaben:
        In LARS werden Schülerinnen und Schüler von ihren Lernbegleitern individuell betreut. Abgestimmte Lern- und Förderangebote sichern dabei ein kontinuierliches und strukturiertes Lernen. Für diese Betreuung wurde eine Arbeitsumgebung entwickelt, die für Schüler ab der dritten Klasse leicht bedienbar ist und die allen Beteiligten einfache Möglichkeiten zur Kooperation bietet.

        Besonderheiten:

        In LARS erhält jeder Schüler einen individuellen virtuellen Schreibtisch, auf dem Dokumente und die passenden Werkzeuge für die Wissensarbeit bereitgestellt werden. Der neu entwickelte „MokoDesk“ lässt sich mit beliebig vielen anderen derart verknüpfen, dass für zwei Nutzer ein gemeinsamer Handlungs- und Wahrnehmungsraum geschaffen wird. Außerdem kann der Lehrer mehreren Schülern im Rahmen der individuellen Förderung verschiedene Aufgaben bereitstellen und sich dabei gleichzeitig über den aktuellen Arbeitsstand der Lernenden informieren.

        Projektpartner

        Heinz Nixdorf Institut

        Harald Selke
        Wissenschaftlicher Mitarbeiter

        Fachgruppe Kontextuelle Informatik
        am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn
        Fürstenallee 11
        33102 Paderborn

        hase(at)uni-paderborn.de
        www.hni.uni-paderborn.de/koi

        Bildungsnetz Förderung Individuell e.V.

        Detlef Schubert
        Vorstandsmitglied

        Bildungsnetz Förderung Individuell e.V.
        Bleiweg 20
        33334 Gütersloh

        dschubert(at)hnf.de
        www.bfiev.de

         


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