Von Präsenz zu eLearning – RWE etabliert neue Lernkultur

Einführung eines globalen Blended Learning-Konzepts bei RWE

Kategorie:
Lernkultur

Siegerprojekt:
Global Blended Learning

Sieger:
vitero GmbH
RWE Power AG
RWE Group Business Services GmbH

Jedes Unternehmen besitzt seine eigenen Regeln und ungeschriebenen Gesetze, die nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich sind, aber trotzdem tiefgreifende Wirkung besitzen können. Im Trainingsbereich wird diese Tatsache unter dem Begriff „Lernkultur“ verstanden. Eine solche Lernkultur zu ändern, ist eine große Herausforderung, die RWE mit der Etablierung von Blended Learning in Angriff genommen hat.

Die RWE Power AG sowie die RWE Group Business Services GmbH (GBS) sind Tochtergesellschaften der RWE AG, die mit über 60.000 Mitarbeitern zu den größten Energielieferanten in Deutschland zählt. Während die RWE Power AG alle Tätigkeiten rund um die fossile Energieerzeugung bündelt ist die RWE GBS GmbH die Service-Zentrale des Konzerns und steuert länderübergreifend interne Dienstleistungsprozesse.

Um Kosten zu sparen und neue, nachhaltige sowie effektive Weiterbildungsstrukturen im Konzern aufzubauen, wurde von den Projektpartnern vitero GmbH, RWE Power AG, RWE Group Business Services GmbH und eLeDia – eLearning im Dialog GmbH das Projekt „Global Blended Learning“ ins Leben gerufen, welches die Etablierung eines Blended Learning-Ansatzes im RWE-Konzern erreichen sollte.

Lernbedarfe

Das Projekt hatte das Ziel, eine kostengünstigere, aber ebenso nachhaltige und effektive Weiterbildungsstruktur im Konzern aufzubauen, die es möglich machen sollte, auf Präsenzzeiten im Soft-Skill Bereich weitestgehend zu verzichten und diese in der technischen Weiterbildung zu reduzieren.

Daraus resultierend gab es verschiedene Vorgaben für das Projekt. Neben deutlichen Kosteneinsparungen sollte eine neue Art des Lernens etabliert werden, die allen Mitarbeitern zugänglich ist und ins Tagesgeschäft integriert werden kann (d. h. Vermeidung von Fehltagen). Darüber hinaus sollten die Inhalte flexibel anpassbar sein und die Spezifika von RWE berücksichtigen. Außerdem sollten die Mitarbeiter in ihrer Eigenverantwortung für lebenslanges Lernen bestärkt werden und einen ständigen Zugriff auf die Materialien haben.

Für das Projekt wurden zwei Zielgruppen mit verschiedenen Vorgaben definiert. Mit dem Bereich „Soft-Skill“ sollten AT-Mitarbeiter und Mitarbeiter im oberen Tarifbereich, die eine Führungsaufgabe inne haben (direkt oder projektbezogen), angesprochen werden. In dieser Zielgruppe sollte eine einheitliche Führungskultur und eine Stärkung der Fähigkeiten der Führungskräfte etabliert werden.

In der zweiten Zielgruppe standen Handwerker, Techniker und Ingenieure aus den Tagebauen und Kraftwerken für technische Trainings im Fokus. In dieser Zielgruppe werden Lernziele in der Regel von den Fachbereichen vorgeschrieben und der Lerntransfer erfolgt on-the-job. Infolge des Projekts sollten aktuelle Kursangebote sukzessive von Präsenzform auf Blended Learning bzw. Global Blended Learning umgestellt werden.

Um Kosten zu sparen und gleichzeitig eine neue Weiterbildungsstruktur aufzubauen, wurde von RWE erstmals auf Blended Learning gesetzt.
 
v.l. Dr. Fabian Kempf (Vitero GmbH), Christiane Schmitten (RWE Group Business Services GmbH), Frank Siepmann (eLearning Journal), Wilhelm Stock (RWE Power AG)

Projektergebnis

Die Etablierung von globalen Blended Learning-Konzepten im Bereich der technischen und persönlichen Weiterentwicklung von Mitarbeitern hat neben der betriebswirtschaftlichen und unternehmerischen Zielrichtung den Fokus darauf, das eigenverantwortliche Lernen der Mitarbeiter zu stärken und eine zukunftsorientierte Lernkultur aufzubauen.

Dazu wird eine umfassende Lernarchitektur mit sowohl Online- als auch Offline-Elementen bereitgestellt, die einen substantiellen und nachhaltigen Lernfortschritt generiert und Präsenzzeiten signifikant reduziert. Durch die Möglichkeit der individuellen Einflussnahme auf das Lerntempo, den intensiven Austausch der Lernenden untereinander sowie der aktiven Erprobung der Inhalte in der Praxis auf der einen Seite und der externen Unterstützung durch Methoden wie kollegiale Beratung, Feedback, Reflexionsschleifen, on-the-job Feedback sowie praktische Übungen auf der anderen Seite, konnte der Lerntransfer ins Tagesgeschäft positiv beeinflusst werden.

Mit einem über die spezifischen Lernaufgaben hinausgehenden Blended Learning-Konzept konnte das eigenverantwortliche Lernen des Mitarbeiters und informelles Lernen am Arbeitsplatz gestärkt werden. Dafür wurden verschiedene Medien (Videostatements von Führungskräften, Lernvideos von Trainern, Selbsttest, Spielkomponenten, Fallaufgaben etc.) kombiniert und Lerninhalte in kleinen Paketen zeitlich versetzt zur Verfügung gestellt. Die Lerninhalte wurden um aktive Reflexions- und Selbsterprobungsschleifen, Virtual Classroom-Sitzungen sowie Online-Simulationsmodelle ergänzt, womit im Lernprozess eine ständige, aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten erfolgt. Teilnehmer stellen zudem Inhalte selbstständig zur Verfügung (in Foren, Glossaren, Dateien etc.), sodass die inhaltliche Ausgestaltung auf dem aktuellsten Stand bleibt und ‚lebt‘. Dies entspricht nach Jennings den ersten Stufen im 70-20-10 Learning-Ansatz „Adding learning to work“ und „Embedding learning within workflows“.

Fazit


Jedes Unternehmen hat beim Thema Bildung seine ganz individuellen Eigenheiten, die es bei dem Einsatz von neuen Schulungsmaßnahmen zu bedenken gibt. Diese unternehmensspezifische Lernkultur kann einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg von Trainingsmaßnahmen haben. Umso schwieriger ist es, eine gesamte Lernkultur in einem Unternehmen zu ändern.

Mit dem Projekt „Global Blended Learning“ wurde eine solche tiefgreifende Veränderung der Lernkultur in Angriff genommen, in dem bisher vorherrschendes Präsenztraining reduziert und als Ausgleich ein Blended Learning-Konzept etabliert wurde. Vor diesem Hintergrund verleiht die Jury des eLearning Journals den Projektpartnern vitero GmbH, RWE Power AG und RWE Group Business Services GmbH den eLearning AWARD 2015 in der Kategorie „Lernkultur“.

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Aufbau einer kostengünstigeren, aber ebenso nachhaltigen und effektiven Weiterbildungsstruktur im Konzern, die es möglich macht, auf Präsenzzeiten im Soft-Skill Bereich weitestgehend zu verzichten und diese in der technischen Weiterbildung zu reduzieren.

Besonderheiten:

Etablierung einer neuen Lernkultur im Unternehmen. Kombination verschiedener Medien zur Vermittlung der Lerninhalte (YouTube, WBTs, besprochene Präsentationen; Videostatements, Spiele etc.) sowie die aktive Einbindung von Führungskräften in die Gestaltung der Inhalte.

Projektpartner

vitero GmbH

Dr. Fabian Kempf
Geschäftsführer

vitero GmbH
Nobelstraße 15
70569 Stuttgart

info@vitero.de
www.vitero.de

RWE Group Business Services GmbH

Christiane Schmitten
Personalreferentin Talent Management

RWE Group Business Services GmbH
CoE People Development
Stüttgenweg 2
50935 Köln

christiane.schmitten@rwe.com
www.rwe.com

RWE Power AG

Wilhelm Stock
Leiter Technische Weiterbildung

RWE Power AG
Stüttgenweg 2
50935 Köln

wilhelm.stock@rwe.com
www.rwe.com

 


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