Das „Social YouTube-Prinzip“ – Lernvideos beim DTTB e.V.

Kollaboratives Blended Learning beim Deutschen Tischtennis Bund

Kategorie:
Social Video Training

Siegerprojekt:
edubreak®-SportCampus beim Deutschen Tischtennis Bund

Sieger:
Ghostthinker GmbH
Deutscher Tischtennis Bund e.V.

Das Themenfeld „Sport“ ist für den Einsatz von E-Learning eine Herausforderung, denn es geht um angemessene Bewegungskorrekturen und gutes Coaching. Video ist ein vielversprechendes Lehr-Lernmedium, das es ermöglicht, komplexe Situationen zu zeigen und zu diskutieren. Der Deutsche Tischtennis Bund e.V. nutzt dieses Potential in einem bundesweiten Aus- und Weiterbildungsprojekt.

Der Deutsche Tischtennis Bund e.V. (DTTB) gehört in Deutschland zu den Pionieren der web-gestützten Traineraus- und -weiterbildung und ist mit 12.000 TrainerInnen sowie 600.000 Mitgliedern ein mittelgroßer Sportverband. Bereits 2007 wurde damit begonnen neue Ausbildungsformate in Form von Blended Learning zu entwickeln und in unterschiedlichen Lizenzstufen (C, B, A) bundesweit in die Landesverbände einzuführen.

Mit dem Projekt „Blended Learning im gesamtdeutschen Tischtennis“ der beiden Projektpartner Deutscher Tischtennis Bund e.V. und Ghostthinker GmbH wurde das bestehende Ausbildungsangebot in Form von Präsenzschulungen um die neue Methode „Social Video Learning“ erweitert. Diese ermöglicht es allen TrainerInnen Anmerkungen und Fragen direkt in die Ausbildungsvideos einzubetten und dort online zu diskutieren. Dabei handelt es sich primär um Videomaterial, das von den TeilnehmerInnen bzw. den Lehrenden selbst produziert wird und neben Spielszenen auch Coaching-Szenen beinhaltet.

Lernbedarfe

Für den DTTB stand von Anfang an die Verbesserung der Ausbildungsattraktivität und -qualität im Zentrum. Hinsichtlich der zu steigernden Attraktivität spielte vor allem der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Viele TrainerInnen üben ihr Engagement nebenberuflich oder ehrenamtlich aus. Zur Aufrechterhaltung und Pflege ihrer Sportart ist ein flexibles Ausbildungsprogramm erforderlich (Blended Learning). Neben der Verbesserung der Flexibilität galt der Qualitätssteigerung der Lernprozesse besondere Aufmerksamkeit. Gefordert war eine echte Kompetenzentwicklung im Kontext von Bewegung und Coachung, was die Förderung der Trainerpersönlichkeit einschließt.

Die Zielgruppe für das Projekt umfasst alle TrainerInnen im DTTB, die in ihren jeweiligen Landesverbänden (eigenständige Organisationen der Bundesländer) eingebunden sind.

Projektergebnis

Die Ausbildungsattraktivität- und -qualität für TrainerInnen des DTTB zu steigern war nicht nur das Ziel zu Beginn, sondern ist auch die Maxime, die sich durch das gesamte Projekt hindurchzieht. Durch den Einsatz digitaler Medien wurde es möglich die klassischen Präsenzphasen zu reduzieren und sie durch flexible Online-Lernphasen im Sinne des Blended Learnings zu erweitern. Speziell entwickelte Lernwerkzeuge in der eingesetzten Online-Lernumgebung edubreak®CAMPUS erlauben es heute, die TrainerInnen während der Online-Phasen  in aktive, kreative und produktive Lernprozesse einzubinden.

Mit Hilfe von selbstproduzierten Lernvideos können die Trainerinnen und Trainer des Deutschen Tischtennis Bundes Bewegungsabläufe den Spielern veranschaulichen.
 
v.l. Dr. Frank Vohle (Ghostthinker GmbH), Markus Söhngen (Deutscher Tischtennis Bund e.V.), Frank Siepmann (eLearning Journal), Arne Klindt (Deutscher Tischtennis Bund e.V.), Renè Stork (Deutscher Tischtennis Bund e.V.), Johannes Metscher (Ghostthinker GmbH)

Der Einsatz von Blended Learning-Strukturen führt nicht zwangsläufig zu einer besseren Qualität. An dieser Stelle setzen die neu entwickelten Lernwerkzeuge ein, die in den Online-Phasen verwendet werden. Im Zusammenspiel mit durchdachten Aufgaben sind TrainerInnen beispielsweise aufgefordert, Videos zu analysieren und sie unter definierten Gesichtspunkten punktgenau zu kommentieren (Video-kommentar). Zudem gilt es, zentrale Botschaften z. B. eines Fachtextes zu visualisieren (Concept Map) oder die Erfahrungen z. B. bei der Einführung eines Kindertrainings zu verbalisieren (Weblog). Findet die Ausbildung über einen längeren Zeitraum statt, wie zum Beispiel bei einer Trainer A-Lizenz, können die Lernprodukte der TrainerInnen, die in Form von Videokommentaren, Weblog-Beiträgen, Concept-Maps gesammelt werden, unter anderem als Kompetenznachweis dienen (e-Portfolio).

Alle bisher genannten Lernwerkzeuge sind eingebettet im edubreak®CAMPUS, einer Online-Lernumgebung, die speziell für die Traineraus- und -weiterbildung im Sport entwickelt wurde. Neben Tischtennis, Basketball, Leichtathletik etc. wird sie unter anderem in der Sportmanagement-Ausbildung eingesetzt. Der edubreak®CAMPUS bietet durch seine Ausrichtung auf die Methode „Austausch in Videos“ oder „Social Video Learning“ sowie hilfreichen Unterstützungselementen für TrainerInnen und BildungsreferentInnen eine einzigartige Basis für die Online-Arbeit unter dem didaktischen Motto: „Reflexion durch Produktion“. Die integrierte Entwicklung von Technologie und Didaktik beruht auf einer konstruktivistischen Lehr-Lernauffassung (Reinmann & Mandl, 2006). Entsprechend sind instruierende Aufgaben, aktive Konstruktionsleistungen der Lernenden durch punktgenaue Videokommentare, Blogbeiträge und Wissensvisualisierungen sowie der soziale Austausch durch Feedback und Re-Kommentierung von Videokommentaren leitend.  

Fazit

Dank des Siegeszugs von Youtube sind Videos heute allgegenwärtig. Doch neben der reinen Unterhaltung bieten Videos auch in der Aus- und Weiterbildung bedeutsame Mehrwerte für Lernende. Abläufe, Prozesse und Situationen lassen sich in Bild und Ton sehr gut illustrieren und werden dadurch verständlicher gemacht.

Es sind genau diese Vorteile, die auch im hier vorgestellten Projekt „Blended Learning im gesamtdeutschen Tischtennis“ zielführend eingesetzt und qualitativ ausgebaut werden. Elementar sind dabei selbstproduzierte Videos, die, eingebettet in ein Blended Learning- Szenario, mit den anderen KursteilnehmerInnen direkt in den einzelnen Videoszenen kommentiert, untereinander diskutiert und ausgewertet werden. Videolernen wird damit erstmals „dialogisch“. Vor diesem Hintergrund verleiht die Jury des eLearning Journals den beiden Projektpartnern Deutscher Tischtennis Bund e.V. und Ghostthinker GmbH den eLearning AWARD 2015 in der Kategorie „Social Video Training“.

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Für den Deutschen Tischtennis Bund stand die Verbesserung der Ausbildungsattraktivität und -qualität im Zentrum. Durch den Einsatz digitaler Medien sollte  es  möglich werden, die klassischen Präsenzphasen vom Umfang zu kürzen und um flexible Online-Lernphasen zu erweitern. Durch spezielle Lernwerkzeuge in den Online-Phasen sollten die TrainerInnen in aktive, kreative und produktive Lernprozesse eingebunden werden.

Besonderheiten:

Flächendeckende Implementation von Blended Learning über alle Lizenzstufen, Umsetzung einer explizit kompetenzorientierten Didaktik und Assessment, Nutzung von speziellen Video-Lernwerkzeugen mit Schwerpunkt Konstruktion und Kollaboration, kompetenzorientierte Prüfung ohne Anwesenheit sowie Content Sharing und Zusammenarbeit der Lehrreferenten im Sinne einer länderübergreifenden Qualitätsentwicklung.

Projektpartner

Ghostthinker GmbH

Dr. Frank Vohle
Geschäftsführer

Ghostthinker GmbH
Am Loisachbogen 7a
82515 Wolfratshausen

vohle@ghostthinker.de
www.ghostthinker.de

Deutscher Tischtennis Bund e.V.

Markus Söhngen
Ressortleiter Traineraus-/fortbildung

Deutscher Tischtennis Bund e.V.
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt/Main

soehngen@ttvn.de
www.tischtennis.de

 


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