Potentiale und Herausforderungen bei der Umsetzung von Workplace Learning

Workplace Learning gehört zu den wichtigsten Trends, die es im aktuellen eLearning- und Weiterbildungsbereich gibt. Doch wie können Unternehmen ein solches Workplace Learning-Konzept im eigenen Haus implementieren? Wie wirkt sich Workplace Learning auf die Lernkultur aus? Und was bedeutet dieses Konzept für die Lerner? Mit einem Vortrag auf der LEARNTEC 2017 wird Frau Hedwig Seipel diese und weitere Fragen rund um das Thema Workplace Learning beantworten.

eLearning Journal: Guten Tag Frau Seipel. Können Sie zunächst sich und Ihre Tätigkeit kurz vorstellen?

Hedwig Seipel: Gerne, ich bin Hedwig Seipel, E-Learning-Expertin, Digital Learning Designerin und Trainerin für digitale Medienkompetenz. Den Schwerpunkt meiner freiberuflichen Tätigkeit machen in den letzten Jahren die Entwicklung und Implementierung innovativer Lernkonzepte sowie die didaktische Aufbereitung von Lerninhalten und Train-the-Trainer Fortbildungen aus. Außerdem überarbeite ich im Auftrag von Unternehmen und Bildungsinstitutionen bewährte Schulungskonzepte aus der Präsenz in technologiegestützte Lern- und Trainingsformate.  

eLearning Journal: In Ihrem Vortrag auf der LEARNTEC 2017 geht es um die Themen Workplace Learning, Lern- sowie Lehrgewohnheiten. Wie hängen diese Themen zusammen?

Hedwig Seipel: Durch die fortschreitende Digitalisierung der Arbeit stehen Mitarbeiter vor neuen Aufgaben. Um diese zu bewältigen, brauchen sie Fähigkeiten, die sie erst erlernen müssen. Für viele liegt die aktive Lernzeit lange Jahre zurück. Doch auch für die jüngeren, die noch vor kurzem die Schule oder Hochschule besucht haben, stellt Workplace Learning eine komplett neue Form des Lernens dar. Unsere Lerngewohnheiten, das Wissen eher passiv und auf Vorrat zu konsumieren, können wir dabei nicht gebrauchen. Um Workplace Learning erfolgreich in die Praxis zu implementieren, braucht es eine Veränderung der unternehmerischen Lernkultur und der individuellen Lerngewohnheiten.           

eLearning Journal: Workplace Learning nimmt in unserer modernen Arbeitswelt eine immer wichtigere Rolle ein. Gleichzeitig erfordert Workplace Learning in einem höheren Maße Kompetenzen für selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen bei den Mitarbeitern. Wie ausgeprägt sind diese Kompetenzen Ihrer Erfahrung nach bei den Lernern? Wie können Unternehmen den Auf- und Ausbau dieser Kompetenzen bei den Mitarbeitern unterstützen?

Hedwig Seipel: Oh, das sind gleich zwei wichtige Fragen auf einmal. Fangen wir mit den Lernern an. Wie sieht eine durchschnittliche Lernbiografie aus? In der Schule erwarben wir die Basis der Allgemeinbildung, die uns eher theoretisch vermittelt wurde. Unsere Leistung wurde mit Noten bewertet und es spielte keine Rolle, ob wir das Wissen auch im praktischen Leben anwenden können. Den Beruf lernten wir in zwei Welten: in der durch frontal Unterricht geprägten Berufsschule und in den Betrieben, wo hierarchische Unterweisung den Lernprozess bestimmte. An den Hochschulen wurden wir zwar mit vielfältigen Lernwegen konfrontiert, doch auch hier hatten wir einem vorgegebenen Pfad zu folgen.

Workplace Learning stellt uns vor die Herausforderung, statt den Anweisungen eines Lehrers zu folgen, selbst und im Austausch mit anderen den Weg zu den Lernzielen zu finden. Plötzlich ist nicht mehr die Theorie wichtig, sondern nur das Wissen im Kontext der praktischen Anwendung. Ein festes Curriculum fehlt und Lernerfolg wird am Ergebnis einer konkreten Arbeitsaufgabe gemessen. Und die Frage: Lernst du noch oder arbeitest du schon, kann nicht mehr eindeutig beantwortet werden.

Deshalb erlaube ich mir zu behaupten, dass sich die Kompetenzen für selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen auf einem rudimentären Niveau bewegen und für den durchschnittlichen Lerner eine neue Erfahrung bedeuten.

Die Antwort auf Ihre zweite Frage knüpft genau an dieser Stelle an. Mitarbeiter in Unternehmen brauchen in erster Linie die Möglichkeit, die genannten Kompetenzen zu erwerben, bevor sie mit anspruchsvollen, fachspezifischen Lernaufgaben konfrontiert werden. Wie das Herantasten an die neue Lernform erfolgen kann, das hängt stark von der bisher praktizierenden Art der Mitarbeiter-Schulung und Qualifizierung ab.

Mein Tipp dazu: lieber in kleineren Schritten vorgehen, statt große Sprünge zu versuchen. Mehr dazu werde ich in meinem Vortrag erläutern.    

eLearning Journal: Neben den Lernern wirkt sich Workplace Learning auch auf die Trainer und Ausbilder aus. Welche Rolle spielen diese in einem Workplace Learning-Konzept?

Hedwig Seipel: Die gute Nachricht für alle Kolleginnen und Kollegen: Wir werden in neuen Lernformen, das heißt auch im Workplace Learning, genauso gebraucht wie bisher. Der Haken an der Sache ist, die Rollen, Methoden und Aufgaben der Trainer/innen und Ausbilder/innen verändern sich grundlegend. Eine Vorstellung davon liefert das Buch „Modern Workplace Learning: a resource book for L&D“, in dem Jane Hart die Rollen der Learning Professionals umfassend beschreibt. Dabei wird sehr deutlich, dass der traditionelle Ansatz der Wissensvermittlung durch die Lehrenden in Form von Präsenzveranstaltungen ein gewaltiges „Update“ braucht. Die Einbeziehung digitaler Lernformate, die Integration von Social Media-Elementen und die Gestaltung von individuellen Lernpfaden treten anstelle der reinen Vermittlung von Inhalten auf.

Deshalb brauchen Trainer/innen und Ausbilder/innen neben einem fundierten Wissen im Bereich innovativer Lern- und Lehrformen auch Querschnittskompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösen, Kreativität und die Fähigkeit zur kollaborativen Zusammenarbeit.

Es ist Zeit, sich davon zu verabschieden, dass die vermittelten Inhalte das sind, was uns Lehrende ausmacht. Jetzt zählt, die Kompetenz der Lernenden/Kunden noch viel stärker in den Blick zu nehmen und ein interaktives Lernen zu ermöglichen. Eine gute Lernbegleitung begegnet die Lernenden auf Augenhöhe und traut ihnen zu, dass sie auch alleine die Aufgaben schaffen werden. Das erfordert ein neues, stärkeres Selbstbewusstsein der Lehrenden.

eLearning Journal: Wie können Unternehmen Ihrer Erfahrung nach erfolgreich ein Workplace Learning-Konzept umsetzen?

Hedwig Seipel: Ich denke, dafür gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Der Weg zum erfolgreichen Workplace Learning wird stark vom Ausgangspunkt bestimmt. Zuerst ist der Status quo der Lernkultur im Unternehmen zu analysieren. Erst in Abhängigkeit davon, wie Mitarbeiter bisher gewohnt sind zu lernen, welchen Stellenwert Weiterbildung im Unternehmen hat und wie die Bereitschaft für Veränderung ist, kann ein Workplace Learning-Konzept erarbeitet und auch effektiv umgesetzt werden. Die Grundlage schafft die Verankerung lern- und entwicklungsbezogener Aspekte in der Unternehmensphilosophie und das Vorleben der Prinzipien durch die Führungskräfte. Sowohl Lernende als auch Lehrende müssen sich in die veränderten Rollen einfinden und den neuen Formen des Lernens offen begegnen. Nicht zu vernachlässigen sind die organisatorischen Rahmenbedingungen. Workplace Learning passiert nicht nebenbei. Das Lernen muss in die Arbeitsprozesse integriert sein. Deshalb sind auch diese anzupassen oder sogar neu zu definieren.

All diese Prozesse und Schritte brauchen Zeit. Sie sind nicht von heute auf morgen umsetzbar, weil sie die Veränderung unserer Gewohnheiten erfordern. Kleinere Schritte und gut durchdachte Pilotprojekte führen sicherer zu Erfolg als radikale Einschnitte in die bisherige Lernkultur. Lernende und Lehrende sollen dabei genug Möglichkeiten zum Üben und Ausprobieren haben, bevor Workplace Learning fest im Arbeitsalltag verankert wird.         

eLearning Journal: Zum Abschluss: Warum sollte man Ihren Vortrag auf der LEARNTEC 2017 auf keinen Fall verpassen?

Hedwig Seipel: Mein interaktiver Vortrag betrachtet aus der praktischen Perspektive die Rollen, Aufgaben und Kompetenzen von Learning Professionals im Modern Workplace Learning. Neben kurzweiligem Input lässt er ausreichend Raum für Austausch und Diskussion. Insbesondere möchte ich mit dem Publikum die Frage, wie die Herausforderung der neuen Lernform zu schaffen ist, diskutieren. Darauf freue ich mich besonders.

LEARNTEC-Kongress

Vortrag:
Knackpunkt Lerngewohnheiten – neue Rollen in Modern Workplace Learning
Referentin: Hedwig Seipel, Marketing, Coaching, eLearning
Ort: Messe Konferenz Center | Konferenzraum 4/5
Zeit: Dienstag | 25.01.2016 | 11:00 - 11:30 Uhr

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Seipel, Marketing, Coaching, eLearning

Ansprechpartner:
Hedwig Seipel
BDVT-Beauftragte für
Digitales Lernen und OER

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