eLearning an der Chemieanlage

Aufbau eines Workplace Learning-Konzepts bei der Evonik

Kategorie:
Workplace Learning

Siegerprojekt:
Ausbildung 4.0

Sieger:
Evonik Technology & Infrastructure GmbH
Creos Lernideen und Beratung GmbH

Mit der Industrie 4.0 halten Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung zunehmend Einzug in „klassischen“ Industrieunternehmen. Die daraus resultierenden tiefgreifenden Veränderungen wirken sich nicht nur auf Geschäfts- und Arbeitsprozesse aus, sondern stellen auch die betriebliche Aus- und Weiterbildung vor neue Herausforderungen. In einer solchen Situation befand sich auch die Evonik Technology & Infrastructure GmbH, die dem Thema Industrie 4.0 mit dem Konzept „Ausbildung 4.0“ begegnete.

Die Evonik Technology & Infrastructure GmbH gehört der Branche der chemischen Industrie an und beschäftigt ca. 8.000 Mitarbeiter. Als Chemieunternehmen wird die Evonik bei der Ausbildung neuer Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen gestellt, denn den fachgerechten Umgang der Chemieanlagen zu schulen kann nicht nur kostspielig sein, sondern wird durch Sicherheitsvorschriften zusätzlich erschwert.

Aus diesem Grund baut die Evonik Technology & Infrastructure GmbH zusammen mit der Creos Lernideen und Beratung GmbH bereits seit mehreren Jahre ein umfangreiches Angebot an eLearning-Lerneinheiten auf, welche u.a. mit hochwertigen Visualisierungen die Ausbildung unterstützen. Im Rahmen des Projekts „Ausbildung 4.0“ sollten diese Lerneinheiten erstmals auch direkt an den Lernorten verfügbar und nutzbar werden.

Lernbedarfe

Mit dem Projekt sollten die praktisch geprägten Ausbildungs-orte und damit indirekten Arbeitsorte durch die Digitalisierung zu Lernorten werden. Um dies zu gewährlisten, war geplant, dass Auszubildende und Ausbilder kontextbezogen mediale Erklärungen und Visualisierungen in den Lernprozess integrieren, um so die jeweils sinnvollste Methode für einen erfolgreichen Lernprozess bzw. zur Lösung eines Verständnisproblems heranzuziehen können. Darauf aufbauende Ziele sollten die Digitalisierung der beruflichen Weiterbildung und Meisterkurse sowie die nahtlose Integration in den Arbeitsprozess selbst sein, um digitale Lernmedien zu einem autonom nutzbaren Werkzeug der Wissensaneignung werden zu lassen.

Die Zielgruppe für das Projekt waren die ca. 2.000 Auszubildenden des Evonik Konzerns sowie einiger mit diesem verbundenen Partnerunternehmen, die Teile ihrer Ausbildungsleistungen an die Evonik abgegeben haben.

Projektergebnis

Das Evonik-Projekt „Ausbildung 4.0“ überträgt die Idee von Industrie 4.0 in die konzernweite Ausbildung der chemiespezifischen Ausbildungsberufe.

Dank des Projekts „Ausbildung 4.0“ können die zahlreichen, hochwertigen Lerneinheiten der Evonik den Auszubildenden nun auch direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.
v.l. Dr. Steffan Ritzenhoff (Creos Lernideen und Beratung GmbH), Frank Siepmann (eLearning Journal), Dr. Hans Jürgen Metternich (Evonik Technology & Infrastructure GmbH)

Im Fokus von Ausbildung 4.0 bzw. der Digitalisierung steht die Vernetzung von Ausbildungs- und Arbeitswelt. Mit dem konsequenten Ausbau dieser Zielsetzung hat sich die Evonik über die letzten Jahre ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Chemischen Industrie erarbeitet. Hunderte von animierten, interaktiven und visuell aufbereiteten Lernmedien mit praxisnahem Wissen und Tausende von Fragen ermöglichen eine wesentlich individuellere Ausbildung und Konzentration auf den Einzelnen.

Mit der Maxime „Wissen, was zu tun ist und Verstehen, was passiert“ erfolgt eine neuartige Mehrfachnutzung und Digitalisierung der Ausbildung im Technikum, in der Werkstatt und im Büro. Mit Hilfe der Lernmedien besteht so am Arbeitsplatz direkter Zugriff auf notwendiges Prozess- und Hintergrundwissen, um auch im Detail verstehen zu können, warum etwas getan werden muss oder passiert bzw. genau so getan werden muss. Durch Visualisierung und Interaktion wird für die Azubis ein digitales „Probehandeln“ an den Chemieanlagen möglich, womit das Verständnis für die Prozesse und vor allem die Sicherheit der Handlungen gestärkt werden. Neben der systemischen Herausforderung, diese Mehrwerte in die Ausbildung zu integrieren, ist auch die Bereitstellung der besonderen EX-Schutz-Hardware (Explosionsschutz) im Produktionsumfeld eine weitere Herausforderung.

Beflügelt durch den Mehrwert werden inzwischen ähnliche Konzepte für die Ausbildung in China und im englischsprachigen Raum eingesetzt. Ziel ist, Theorie und Praxis tätigkeitsbezogen mit Hilfe von digitalen Lernmedien immer weiter zu verschmelzen bzw. zum selbstverständlichen Bestandteil der Ausbildung zu machen. Die Implementierung dieses Ansatzes in die chemische Produktion stellt eine weitere Ausbaustufe dar, um Handlungs- und Hintergrundwissen direkt in der Arbeitswelt bereitzustellen und digitalisierte Lernwelten zum selbstverständlichen Bestandteil von dualer Ausbildung und Arbeitswelt zu machen.

In Summe führte das Projekt Ausbildung 4.0 zu einem neuen Verständnis von alltagstauglicher und qualitativ hochwertiger Ausbildung. Es verbindet bestehende und etablierte Systeme mit Ansätzen zeitgemäßer Bildungspotenziale, um echtes arbeitsplatzintegriertes Lernen zu ermöglichen.

Fazit

„Das Projekt Ausbildung 4.0 ist der größte Quantensprung seit der Einführung des E-Learning 2004. Mit der Ausbildungs-/ Arbeitsplatzintegration ist E-Learning endlich konsequent in die Ausbildung integriert. Als „erwachsener“ Teil der Ausbildungsinstrumente erhält es das nötige Gewicht, um sich aus den angemeldeten Bedarfen der Nutzer heraus weiter zu verbreiten. Die Überwindung der Trennung von Lern- und Arbeitsort ist damit ein Durchbruch in der Nutzung unserer E-Learning Angebote“, bringt Dr. Hans Jürgen Metternich, Leiter Evonik Ausbildung Nord, die Bedeutung des Projekts auf den Punkt.

Mit dem Projekt „Ausbildung 4.0“ haben die beiden Projektpartner gezeigt, wie mit bereits bestehenden, hochwertigen Lernmedien durch eine konsequente Bereitstellung am Arbeitsplatz ein Workplace Learning-Konzept aufgebaut werden kann, welches selbst mit einer anspruchsvollen Umgebung mit besonderen Sicherheitsherausforderungen kompatibel sein kann. Deshalb verleiht die Jury des eLearning Journals den beiden Projektpartnern Evonik Technology & Infrastructure GmbH sowie Creos Lernideen und Beratung GmbH den eLearning AWARD 2017 in der Kategorie „Workplace Learning“.

Autor: Mathias Fleig

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Mit dem Projekt sollten die praktisch geprägten Ausbildungsorte und damit indirekten Arbeitsorte durch die Digitalisierung zu Lernorten werden. Bereits bestehende digitale Lernmedien sollten von Auszubilden und Ausbildern nun kontextbezogen in den Lernprozess integrierbar und damit direkt am Lernort, z. B. bei einer Chemieanlage, verfügbar werden.

Besonderheiten:

Über die letzten Jahre hat die Evonik ein eLearning-Portfolio mit Hunderten von animierten, interaktiven und visuell aufbereiteten Lernmedien mit praxisnahem Wissen sowie Tausenden von Fragen aufgebaut, welches nun auch direkt am Lernort, z. B. bei einer chemischen Anlage, verfügbar ist. 

Projektpartner

Creos GmbH

Dr. Steffan Ritzenhoff
Geschäftsführer

Creos Lernideen und Beratung GmbH
Herforder Straße 22
D-33602 Bielefeld

s.ritzenhoff@creos.de
www.creos.de

Evonik Technology & Infrastructure

Dr. Hans Jürgen Metternich
Leiter Evonik Ausbildung Nord

Evonik Technology &
Infrastructure GmbH
Paul-Baumann-Straße 1
D-45772 Marl

hans-juergen.metternich@evonik.com
www.evonik.com

 

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