Einsatz von LMS an Hochschulen

 

Lernmanagementsysteme an Hochschulen haben nicht nur eine Tradition, sondern auch eine bewegte Geschichte. Die Phase in der sich die Hochschulen derzeit befinden könnte man wohl als jene der post-kommerziellen LMS bezeichnen. Während das Thema LMS an Hochschulen meist nur für die direkt betroffenen Interessant zu sein scheint, attestiert der Blick in die Vergangenheit, auf die Gegenwart und in die Zukunft den universitären Bildungseinrichtungen dieses Landes vor allem eines: Wandlungsfähigkeit.

Es gab eine Zeit, in der Hochschulen auf den Einsatz von kommerziellen Lösungen setzten. Diese proprietären Lösungen  wurden von verschiedensten Anbietern zu Einstiegspreisen angeboten und versprachen einen Leistungsumfang, der die Hochschulen mit einem eCampus der ersten und nächsten Generation versorgen und eine Fülle von zusätzlichen Funktionen vorhalten konnte.

Die Laufzeit dieser Einführungsphasen zu vergünstigten wirtschaftlichen Konditionen und in einem Umfeld besserer finanzieller Ausstattung der meisten Hochschulen, dauerte gerade so lange an, dass bereits eine Fülle von Inhalten und Nutzungsstrukturen aufgebaut werden konnten. Dann kam irgendwann das böse Erwachen: die Kosten, die die kommerziellen Anbieter nach der Einführungsphase von der Hochschulen verlangten, waren enorm - und vor allem durch die meisten Hochschulen nicht zu decken.

Die Finanzdecke, die vor der Einführungsphase noch sehr viel belastbarer war - zumal die Länder durch den damaligen Verkauf der UMTS Aktien die meisten Gewinne in die Hochschulen steckten - war zu dünn, um den teilweise überzogenen Forderungen der kommerziellen Anbieter zu begegnen. Im Gegenzug drohten einige Anbieter damit, dass sie ihr LMS einfach abschalten und damit nicht nur den Content unerreichbar werden ließen, sondern zugleich auch bestehende Nutzungsstrukturen, die bereits etabliert und verzweigt waren, abwürgten, was einen erheblichen negativen Einfluss auf die Lehrveranstaltungen und die Organisation einiger Hochschulen haben würde.

Opensource als Alternative

An dieser Weggabelung angekommen, entschieden sich viele Hochschulen zum Einsatz von Opensource Lösungen. Den ersten Hochschulen folgten bald die nächsten und so wandelte sich das Bild des Einsatzes von kommerziellen LMS-Lösungen hin zum heutigen Bild, in dem die meisten Hochschulen ein Opensource LMS einsetzen, damit die Abhängigkeit und das latente Risiko, der Willkür rein wirtschaftlichen Erwägungen eines Anbieters ausgeliefert zu sein, minimiert bzw. ganz ausgeräumt wurden. Es war auch zu dieser Zeit, da viele Anbieter für die Migration von Inhalten von kommerziellen LMS auf Opensource LMS auf dem Markt auftauchten und so den „Umzug“ in die Freiheit antraten.
Strategisches Feld eLearning

Die Nutzung von LMS an Hochschulen hat sich seit dieser  Zeit ebenfalls verändert. Während eLearning damals nur eine Nische war, die es an Hochschulen zu besetzen galt, so gehört eLearning heute zu den strategischen Planungsfeldern einer Hochschule. Auch das Phänomen der Diversität, nachdem es an einigen Hochschulen mehr unterschiedliche LMS gab, als es Fachbereiche und/oder Fakultäten gab, hat sich gewandelt. Heute setzt man auf Konsolidierung. Da nicht jedes LMS alle Funktionen abdeckt, die eine Hochschule brauchen könnte, sieht man durchaus den Einsatz von zwei LMS parallel. Doch das Bestreben der  Hochschulen geht in die Richtung der Konsolidierung und Vereinfachung des Einsatzes von LMS.

Bedarfe der Hochschulen

Die Entscheidung, wie und in welchen Bereichen welches LMS eingesetzt wird, ist mithin auch eine Top-Down Entscheidung. Während die Akzeptanz durch die Nutzer durchaus noch eine Rolle spielt, sind andere Themen weiter in den Vordergrund gerückt. Dazu gehört auch das Streben nach einem bündigen Identitätsmanagement, das ein Single-Sign-On ermöglicht und so die Nutzung erheblich vereinfacht. Das bedingt auch das Streben nach einer hohen „Einfügefähigkeit“ eines LMS in die bestehende Infra- und Organisationsstruktur einer Hochschule. So wenig Nahtstellen wie möglich und so viele Schnittstellen wie nötig. Dies auch im Hinblick auf die Nutzungsintensität - so wenig Nutzungshindernisse wie möglich, ergibt die beste Akzeptanz und eine gute Nutzungsquote des LMS. Die Bedarfe, die eine Hochschule mit einem LMS deckt sind grundlegend andere, als die an Schulen oder in Unternehmen.

Der Unterschied zwischen Schule und Hochschule ist hier jedoch eindeutig, dass man an den Hochschulen anpassungsfähiger ist. Während man bei Schulen ein LMS vorhalten sollte, was exakt für den Gebrauch an Schulen konzipiert ist, ist man an Hochschulen in der Lage, auch nicht ganz passgenaue Systeme für sich nutz- und anpassbar zu machen - ein weiterer Vorteil des Einsatzes von Opensource Lösungen.

Eines der bekanntesten Systeme an deutschen Hochschulen ist „Stud.IP“ - ein Opensource System, das durch den Einsatz von Studenten entstanden und heute von deutschen Hochschulen kaum mehr wegzudenken ist. Ein solches System deckt hinsichtlich der Studierenden vor allem den Bedarf an Materialdistribution in allen erdenklichen Formen. Auch die Herstellung des Kontakts zu den Lehrenden und ggf. die Onlinebuchung eines Zeitslots für die Sprechstunde eines „Profs“ ist eine weitere Möglichkeit. Aktive Kommunikation erfolgt eher weniger über diese Plattform. Zwar werden z. B. Lerngruppen online organisiert und fachbezogene Kommunikation findet durchaus auch über das LMS statt, doch das Gros der Kommunikation läuft an den LMS der Hochschulen vorbei, da Facebook und Co. einfach eher den Kommunikations- und Nutzungsgewohnheiten der Studenten entspricht.

Nutzer im Fokus

Hinsichtlich der Studierenden soll ein LMS vor allem Features bieten, die man aus den Unternehmen kennt: ein ePortfolio im Kompetenzmatrix, welches die Öffnung der Hochschulen nach außen induziert, in dem es den Studierenden die Möglichkeit gibt, potentiellen Arbeitgebern schon vor dem Ausscheiden aus der Hochschule z. B. Facharbeiten online freizugeben oder ein Forschungsprojekt vorzustellen. Dabei steht das Spannungsfeld Datenschutz versus Transparenz im Vordergrund. Und auch die Arbeiten selbst, die ein Student während seiner Laufbahn erledigt - Facharbeiten, Aufsätze etc. - bekommen einen neuen Stellenwert, da sich für diese Inhalte ein Bewusstsein, dass es sich um ein „Werk“ im urheberrechtlichen Sinne handelt, ausprägt und diese Werke mit neuen Werten und Schutzbedürfnissen ausgestattet werden.

Der Wandel hält an

So wandelt sich das Bild der Lernmanagementsys-teme an den Hochschulen auch immer noch. Von den kommerziellen Angeboten der ersten Stunde, zum teilweise bösen Erwachen, dem daraus resultierenden Umstieg auf Opensource bis hin zur Konsolidierung der LMS als strategische Erwägung in den Zukunftsplänen von Hochschulen: all dies unterstreicht, wie flexibel unsere Hochschulen tatsächlich im Umgang mit digitalen Medien und zugehörigen Hilfssystemen sind. Es ist eine Entwicklung, die nicht still steht. So wandelt sich das Bild der LMS immer weiter in Richtung einer ganzheitlichen Serviceplattform. Eine Serviceplattform, die nicht nur Materialdistribution zwischen den Lehrenden und Lernenden unterstützt, sondern auch bei der Organisation interner Abläufe, der Ressourcenplanung und anderen Teilbereichen Einsatz findet und große Teilaufgaben übernimmt.

Fazit

Die Hochschulen haben sich auf das Thema LMS offen eingelassen. Und auch wenn die Erfahrungen mit einigen kommerziellen Anbietern durchaus phantasmagorische Züge annahmen, so hat sich das Bild insgesamt schlussendlich zu einem besseren gewandelt. Der Einsatz eines Opensource LMS ist hinsichtlich der Kosten zwar etwas günstiger als kommerzielle Lösungen, doch unterscheiden sich die Betriebskosten voneinander kaum. Wenn die Kosten aber auch nur wenig auseinander liegen, so bieten Opensource Lösungen wie etwa Stud.IP Freiheit(en), die mit Geld nicht aufzuwiegen sind. Besonders positiv muss man insgesamt bilanzieren, dass wir in einigen Bereichen des Einsatzes digitaler Medien in der Bildung in diesem Land zwar hinter anderen Ländern liegen, dass es jedoch durchaus Bereiche gibt, in denen wir uns sehen lassen können. Und das sind nicht zuletzt die Hochschulen.

 

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