"Praxisratgeber & Markt 2012/2013: LMS" - Editorial

Die erfolgreiche Implementierung digital gestützter Lernprozesse erfordert einen bewusst vorangetriebenen Strategieprozess

Für Unternehmen und Organisationen, die an der Schwelle der Anschaffung eines LMS stehen, bietet dieser Band eine Vielzahl von Anregungen, Orientierungen und Fakten. Der Bildungsexperte Martin Kundt (Expertenforum Seite 20 - 23) macht den Umfang von Auswahlkriterien und Anforderungen aus Sicht von Lerner, Lernbegleiter und Verwaltung deutlich: „Technik & Systemarchitektur, Administration & Contentverwaltung, Kommunikation & Kollaboration, Didaktik & Methodik, Design & Usability“. Dabei stellt das Auswahlkriterium „Usability“ keineswegs ein „Nice-to-have“ Kriterium dar.

 

 

 

 

Frank Siepmann
Chefredakteur, eLearning Journal

Rezeption und Konstruktion von Wissen rücken immer enger zusammen

Der im April 2012 vorgestellte Bericht der Projektgruppe Bildung und Forschung der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages zeigt auch, wie tief der „Digitale Graben“ im Aus- und Weiterbildungsbereich immer noch ist. „Die tatsächliche mehrwertschaffende Nutzung digitaler Medien bleibt allerdings weit hinter den mit dem Einsatz dieser Medien verbundenen Erwartungen zurück. Medienkompetenz nimmt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle ein. Ausbildungsverantwortliche, die häufig noch als „digital immigrants“ zu charakterisieren sind, zeichnen sich oft durch eine „sorgenvolle Verweigerung“ digitaler Medien aus.“

Die Feststellungen der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ machen auch deutlich, dass mit der Einführung eines LMS im Aus- und Weiterbildungsprozess Unternehmen und Organisationen in Eigenverantwortung elementare Bildungsarbeit zu leisten ist. „Elementare Recherchen im Internet können vorausgesetzt werden, der Umgang mit Wikis, die Nutzung von Web-based Trainings, wie sie in größeren Unternehmen häufig eingesetzt werden, dagegen nicht. Noch weniger Erfahrung kann mit virtuellen Klassenräumen vorausgesetzt werden oder der Teilnahme an Learning Communities in sozialen Netzwerken. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen, die neue Lernformen praktizieren, selbst diese Aufgabe übernehmen und den strukturierten Umgang mit entsprechenden Anwendungen vermitteln... Die hierarchisch gedachten Kompetenzfelder „Wissen beschaffen“ und „Wissen bereitstellen“ beziehungsweise Rezeption und Konstruktion von Wissen rücken dabei immer enger zusammen.“

Ernüchternd kommt der Bericht zu der Schlussfolgerung: „Das mit digitalen Medien verbundene Potenzial an Informations-, Kommunikations-, Lehr- und Lernmöglichkeiten ist allerdings noch längst nicht ausgeschöpft. ... Die erfolgreiche Implementierung digital gestützter Lernprozesse erfordert stets einen bewusst vorangetriebenen Strategieprozess. Insbesondere in mittelständischen und in Handwerksbetrieben, die in Deutschland rund 65,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie rund 83 Prozent aller Auszubildenden beschäftigen, findet der gezielte, didaktisch abgesicherte Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung noch nicht in erheblichem Umfang statt“

31% der Weiterbildungsanbieter bereiten sich auf den Einsatz digitaler Medien vor

In Handwerk und Mittelstand nutzen erst ca. 21 Prozent der Betriebe digitale Medien in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Etwa 35 Prozent ziehen die Einführung und Nutzung digitaler Medien momentan in Erwägung. Große Betriebe mit 500 bis 1000 Beschäftigten setzen zu über 30 Prozent digitale Medien ein. Die überwiegende Zahl der Großunternehmen mit über 1000 Beschäftigten nutzt digitale Medien gezielt in der Aus- und Weiterbildung (55 Prozent). So stellt beispielsweise der Weiterbildungsmonitor des Bundesinstituts für Berufsbildung und des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung fest, dass Weiterbildungsanbieter in Deutschland zu 27 Prozent E-Learning und Fernlehrgänge anbieten. Insgesamt 58 Prozent der Weiterbildungsanbieter nutzen neue Lehr-/ Lernmethoden, 31 Prozent planen ihren Einsatz. Für Entscheider gilt auch hier der Grundsatz: Ohne Kenntnis einer Wahlmöglichkeit, keine Wahlmöglichkeit. Vor diesem Hintergrund möchte das eLearning Journal THEMENHEFT „LernManagamentSysteme“ eine aktuelle Orientierung durch den Dschungel der Möglichkeiten anbieten.

 

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