Barrierefreies Lernen in Unternehmen war bislang keine Selbstverständlichkeit

Mit einer 3 Millionen US-Dollar-Investition und einer neuen Stabsstelle für Barrierefreiheit will der Corporate Learning-Anbieter Skillsoft für bessere Chancengleichheit sorgen

Freitag, 24.11.2017

Im ursprünglichen Sinn versteht man unter Barrierefreiheit eine bauliche Gestaltung der Umwelt, die von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ohne zusätzliche Einschränkung genutzt werden können. Dies gilt in der zunehmend digitalisierten Welt auch für IT und Informationsangebote, wie etwa Webseiten, Software-Programme, Smartphones und Tablets. Hier kann zum Beispiel eine zu kleine Schrift oder ein zu geringer Farbkontrast für Sehbehinderte, Frames für blinde Menschen, die mit einer Screen Reader-Software arbeiten, oder rein audiovisuelle Inhalte für Gehörlose zu einer enormen Beeinträchtigung der Nutzungsmöglichkeiten führen.

Neben der UN-Behindertenrechtskonvention gibt es seit 2002 auch in Deutschland ein Gleichstellungsgesetz für Behinderte. Es soll die gesellschaftliche und berufliche Benachteiligung von Menschen mit physischen oder Seh-Behinderungen vermeiden und gleichberechtigte Verhältnisse schaffen. Das Gesetz ist jedoch lediglich für Träger öffentlicher Gewalt, also Ämter und Behörden, Dienststellen etc., verpflichtend. Zwar wirkt die Bundesregierung auf Zielvereinbarungen mit gewerblichen Anbietern von Internetseiten und grafischen Oberflächen hin, ihre Produkte nach den im Gesetz definierten technischen Standards zu gestalten. Eine entsprechende Umsetzung basiert jedoch bislang auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Anbieter.

Barrieren bei der Nutzung von Informationsangeboten können nicht nur für behinderte Menschen entstehen. Insbesondere neue, digitale Kommunikationstechnologien bergen auch für Menschen ohne körperliche Einschränkungen die Gefahr der Benachteiligung und Ausgrenzung in sich. So sind bestimmte Informationen immer öfter nur noch online erhältlich, was all diejenigen ausgrenzt, die nicht mit dem Internet oder digitalen Technologien umgehen können.

eLearning - Barrierefreiheit nur durch Eigeninitiative

Dies betrifft in besonderem Maße den Anwendungsbereich e-Learning. Denn gerade diese Disziplin könnte ja beispielsweise ein fehlendes Anwendungswissen bei digitalen Prozessen und Anwendungen ideal kompensieren. Aber auch das Lernen selbst findet heute vorwiegend in einer mehr oder weniger komplexen Technologieumgebung statt. Die dazu eingesetzten Programme, Plattformen und Kursinhalte sind bei weitem nicht immer selbsterklärend und einfach zu begreifen. Barrierefreiheit im eLearning war bislang alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Das Unternehmen Skillsoft, einer der führenden Anbieter von Lernprogrammen und Technologien im Unternehmensumfeld, setzt Barrierefreiheit schon seit längerem für seine zahlreichen Kunden aus dem Behördenumfeld um. Im Rahmen seines Engagements für das sogenannte „Access for All“ Programm hat das Unternehmen nun angekündigt, 3 Millionen US-Dollar in die barrierefreie Umrüstung seiner mehr als 500.000 eBooks, Videos und Micro Learning-Inhalte und Technologien zu investieren. Denn zunehmend erkennen auch Unternehmenskunden aus Wirtschaft und Industrie die Bedeutung, beim Zugang zu Lernlösungen Chancengleichheit zu schaffen, und benötigen entsprechende Lösungen.

Zu diesem Zweck hat der Corporate Learning-Anbieter eine neue Stabsstelle mit weltweitem Wirkungskreis zur richtlinienkonformen Umsetzung des Barrierefreiheit-Programms eingerichtet. Sie soll sicherstellen, dass alle Menschen mit körperlichen oder Seh-Behinderungen, unabhängig von der Größe oder Branche ihres Unternehmens Lerninhalte und Technologie von Skillsoft effektiv nutzen können. Die Arbeit der „Accessibility“-Abteilung richtet sich nach aktuellen globalen Standards für Barrierefreiheit, wie den Web Content Accessibility Guidelines 2.0 (WCAG) und der Sektion 508 des US Rehabilitation Act. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es, die gesetzlichen Richtlinien nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen.

Bill Donoghue, Chairman und Chief Executive Officer von Skillsoft, erläutert die Gründe für die Selbstverpflichtung des Unternehmens: „Die Schaffung von Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung geht weit über Gesetzeskonformität oder dem Setzen neuer Standards hinaus. Unsere tiefe Überzeugung ist es, dass jeder Mitarbeiter, unabhängig von körperlichen oder Sinnes-Einschränkungen, die gleichen Möglichkeiten haben muss, Lerninhalte und Lernplattformen nutzen zu können.“

Als Teil der Unternehmensinitiative hat der Anbieter eine strategische Partnerschaft mit The Paciello Group (TPG), einem der weltweit führenden Beratungsunternehmen für Barrierefreiheit geschlossen. Die Gruppe unterstützt insbesondere barrierefreies Design, Auditing und Praxistestverfahren von Software-Lösungen. Gründer und Chef der Beratungsgruppe Michael Paciello lobt ‚das Engagement von Skillsoft, Barrierefreiheit zu einem zentralen Wert zu machen‘. Dafür ist TPG in jede Entwicklungsphase bei Lern-Inhalten und Lern-Plattformen involviert und steht dem Anbieter beratend zur Seite. Paciello ist sicher, dass ‚die Gewährleistung der Zugänglichkeit hochwertiger Lerninhalte und Technologien für jeden Benutzer das Lernen über alle Organisationen hinweg nachhaltig beeinflussen wird‘.

Lernen, Aus- und Weiterbildung ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil der digitalen Wissensgesellschaft. Immer häufiger wird ein lebenslanger Lernprozess als Grundlage zur Verbesserung individueller Karriere-Perspektiven betrachtet. Für Unternehmen ist eine hohe „Corporate Intelligence“ über qualifizierte und lernmotivierte Mitarbeiter hingegen zu einem elementarer Baustein für den Erhalt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit geworden. Es wird Zeit, dass mehr Anbieter dem Skillsoft-Beispiel folgen und Unternehmen dabei unterstützen, mit Lernprogrammen allen Mitarbeitern – behindert oder nicht, 25- oder 52-jährig, Führungskraft oder einfacher Angestellter – die gleichen Chancen zu ermöglichen.


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